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Caius konnte sich an den heldenhaften Mann erinnern so wie er sich an alles andere in der Vergangenheit erinnern konnte. Die Unsterblichkeit hatte ihn zu einem Menschen gemacht, der nicht mehr viel mit einem Menschen gemeinsam hatte. So vieles hatte sich geändert seit er zum Wächter auserkoren wurde. Der unvermeidliche Lauf der Zeit hatte ihm die Menschlichkeit genommen. Manchmal vergaß er sogar, dass er derselben Spezies angehörte wie jene, die dort draußen unermüdlich trainierten, um ihm eines Tages den Rang streitig zu machen. Unter anderen Umständen würde er es sogar ersehnen, dass es jemandem gelang, ihn zu besiegen so wie es einst dem Recken mit dem Namen Caius Ballad beinahe gelungen wäre, ehe er in sein Verderben rannte. Die Umstände waren jedoch nicht anders. Sie waren nicht einmal gewöhnlich aufgrund der Tatsache, einen Jüngling mit hellseherischen Fähigkeiten beschützen zu müssen. Wäre diese ehrenvolle Aufgabe nicht, hätte er längst den Freitod gewählt, um der Sinnlosigkeit des ewigen Lebens zu entrinnen. Der Zeitenseher sowie dessen Reinkarnationen gaben seiner Existenz einen Sinn, weswegen er sein Bestes tat, um den Seher niemals zu enttäuschen.
Den Dank des Jungen nahm er mit einem kaum merklichen Nicken hin. Nach all der Zeit des Dienens war er bescheiden geworden. Er erwartete keine Danksagungen, auch keine Lobeshymnen. Erst recht keine Entlohnung für seine Bemühungen. Er war demütig geworden in Anbetracht der Verantwortung, die ihm Etro auferlegt hatte. Mit einer gewissen Besorgnis, die ihm nicht anzusehen war, verfolgte er das Treiben des jungen Sehers, wie sich dieser davon stahl und auf den Balkon begab. Während Yamuh von hoch oben die Geschicke seiner Untertanen beobachtete, ließ Caius ihn nicht aus den Augen. Es hatte den Anschein als erwarte er jeden Augenblick einen Angriff aus dem Hinterhalt, weshalb er den Zeitenseher nicht unbeaufsichtigt lassen wollte. Er nahm seine Pflicht verdammt ernst. Allein deswegen bezweifelte er, dass es jemanden geben könnte, der ihn in dieser Hinsicht ersetzen, gar übertrumpfen könnte. Eine derartige Beobachtungsgabe erlangte man durch Jahrhunderte langes Studieren der verschiedensten Verhaltensweisen aller möglichen und unmöglichen Individuen auf diesem Planeten. Daher gab es niemanden, der ihn in diesem Punkt etwas vormachen konnte. Wie ein steinerner Wächter harrte er an Ort und Stelle aus ohne Anstalten zu machen, sich in irgendeiner Weise zu regen. Wenn man so lange existierte wie er, dann wurde man es müde, sich unnötig zu bewegen. Man tat ohnehin nichts mehr, das dem Zweck nicht dienlich war. Alles Überflüssige wurde mit strengster Selbstbeherrschung vermieden. Das machte ihn zu einem äußerst disziplinierten Leibwächter. Erst die an ihn gerichtete Frage des Jungen hauchte ihm wieder Leben ein, sodass er den Kopf aufmerksam anhob und dem Jungen geradewegs ins Gesicht sah, als würde er darin lesen wollen. Weil Caius jedes Wort wohl überdachte, ehe er es verlauten ließ, antwortete er nicht sofort. „Das Volk wird unruhig. Es hält Euch nicht für fähig, Paddra und das Umland vor den drohenden Gefahren zu beschützen. Ihr solltet Euch in Sicherheit begeben, ehe das Volk zu den Waffen greift“, berichtete die tiefe, monotone Stimme des Wächters, die zwar einen beruhigenden Klang besaß, jedoch nicht über die beschwichtigende Weichheit eines gutmütigen Zeitgenossen verfügte. Alles an ihm war so wild und rau wie das aufbrausende Naturell eines blutrünstigen Schlächters, der nur durch eine Person ruhig gehalten werden konnte; dem Zeitenseher.
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Diese Narren. All diese jungen Männer waren tatsächlich davon überzeugt, ihn, den Wächter, eines Tages besiegen zu können, wenn sie nur lange und hart genug trainierten. Lächerlich. Zu gerne würde er ihre albernen Träume mit einem Schlag zunichte machen, doch er ließ ihnen die Illusion, die ihnen die nötige Kraft verlieh, das harte Training im Lager durchzustehen. Weil es seine Aufgabe war, ihnen das Kämpfen beizubringen, wies er sie an, selbst wenn er keinen Sinn darin sah. Schließlich würde keiner von ihnen in der Lage sein, es mit ihm aufzunehmen. Er war ein geborener Krieger. Eine übernatürlich starke Maschinerie des Todes, die keine Konkurrenz an ihrer Seite duldete. Wer auch immer sich dazu anmaßte, ihn herauszufordern, würde seine Klinge zu schmecken bekommen, die geradezu danach lechzte, größenwahnsinnigen Proleten das Herz zu durchstoßen. Wie sehr es ihn anwiderte, die Hoffnung in den Augen der jungen Männer funkeln zu sehen als wären sie wahrhaftig der Meinung, ihn zu Boden ringen zu können. Pah, allesamt törichte Narren! Mit unterkühlter Gelassenheit beobachtete er das Treiben auf dem Platz. Die unkoordinierten Duelle und das Platztiergehabe testosterongesteuerter Jünglinge, die kaum die nötige Disziplin besaßen, um diesen ehrenhaften Posten auszufüllen, gingen ihm gehörig auf die Nerven. Sein gleichgültiger Blick schweifte über die Szenerie. Verachtung machte sich wie ein bitterer Geschmack auf seiner Zunge breit. Für wahr, er konnte schmecken, was die Luft verpestete. Ein kaum erkennbarer Zug des Ingrimms umspielte seinen rechten Mundwinkel. Etwas stimmte nicht. Etwas, war aus dem Gleichgewicht geraten. Die Unruhen, welche unterschwellig durch die Straßen und Gassen waberten wie eine unheilsame Krankheit, nahmen von Tag zu Tag an Intensität und Impertinenz an. Er könnte sie beenden. Mit einem mal. Doch dafür müsste er die gesamte Zivilisation auslöschen, was dem Zeitenseher nicht gefallen würde. Daher übte er sich in Geduld wie ein viel zu verständnisvoller Vater, der die Launen seiner Zöglinge bedingungslos ertrug. Tatsächlich hatte er für die Machenschaften der Menschen kein Verständnis. Wenn es nach ihm ginge, hätte er sie längst vernichtet. Dies war jedoch nicht das, was die Götter für die Menschheit vorgesehen hatten, weshalb er sich deren Willen beugte, auch wenn es ihm noch so schwer fiel. Wieder wurde ihm unbehaglich. Als schlüge eine unsichtbare Faust auf ihn ein, die ihn dort hin prügeln wollte, wo er wirklich gebraucht wurde. Es war sein Pflichtgefühl, das sich stets mit einer Penetranz meldete, die mit Leichtigkeit alles andere um ihn herum übertönte. Je weiter er vom Zeitenseher entfernt war, desto stärker war dieses wuchtige Gefühl. Es gefiel ihm nicht, den Zeitenseher allein zu lassen. Wenn dieser jedoch darauf bestand, dann blieb ihm nichts anderes übrig, als sich zu entfernen. Jetzt aber konnte und wollte er sich nicht länger von dem Jungen fern halten. Sein Körper hatte sich schlagartig in Alarmbereitschaft versetzt. Wie ein Panther auf der Jagd schnellte er vor und begab sich im Marschschritt in die Halle, wo er den Zeitenseher zurück gelassen hatte. Sein Instinkt hatte ihn nicht getäuscht, denn der Junge machte wahrhaftig den Anschein, nicht in bester Verfassung zu sein. Eilig trat er an diesen heran und half ihm vom Boden auf. Wortlos. Schweigsam. Denn er sprach nicht, wenn er nicht dazu aufgefordert wurde. Zudem waren Worte oftmals überflüssig aufgrund der mentalen Verbindung, die zwischen Wächter und Zeitenseher bestand. Falls Yamuh mit seinem Wächter reden wollte, dann sollte er dies tun. Bis dahin würde er ihm wie immer eine Stütze sein.
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Name: Caius Ballad Alter: So alt wie die Zeit Geschichtliches: Caius Ballad ist in gewisser Weise für den korrekten Fluss der Zeit verantwortlich, indem er Anomalien und Störungen ausgleicht, die durch das Zeitreisen ausgelöst werden. Er ist der Wächter aller bisherigen und zukünftigen Zeitenseher, was ihn zugleich unsterblich macht. Forscher haben in den Paddra-Ruinen herausgefunden, dass ihn die Göttin Etro dazu auserkoren hat. Seit dem erfüllt er seine Pflicht mit einer unerschütterlichen Überzeugung und Hartnäckigkeit, die ihn niemals ruhen lassen. Wie ein Schatten folgt er dem Zeitenseher auf Schritt und Tritt, sorgt für dessen Sicherheit und Wohlbefinden. Niemals käme ihm in den Sinn, sein Schicksal in Frage zu stellen oder den Zeitenseher zu hintergehen... Er ist eine von Grund auf loyale Kreatur, die den Schwartkämpf wie kein anderer beherrscht. Keiner wagt es, sich mit ihm anzulegen - wenn doch, dann endet dies meistens äußerst tragisch für den Herausforderer. Um an der Seite des Zeitensehers nicht aufzufallen, ist er für gewöhnlich in dunkle Gewänder gekleidet. Darunter trägt er seine Rüstung, die Legenden zufolge von göttlichen Mächten geschmiedet wurde. Viele Mythen und Sagen ranken sich um seine Person. Was genau davon der Wahrheit entspricht, vermag nur er zu sagen. Leider gehört er nicht der redseligen Sorte an, weshalb ihm selten nach Plaudern zumute ist. Daher wird der Wächter ewiglich ein Rätsel für all jene sein, die nicht zu seinen engsten Vertrauten gehören.

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